10 Fragen an den Fotografen Jürgen Nobel

By 29. August 2012Allgemein, Blog, Interviews

Ich verfolge schon eine Weile den Blog des Fotografen Jürgen Nobel und finde seine Arbeiten schlichtweg handwerklich toll. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen einmal näheres zur Person und dem Werdegang in einem kleinen Interview in Erfahrung zu bringen.

1. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen und wann haben Sie sich dazu entschlossen das „Hobby“ zum Beruf zu machen?

Jürgen Nobel: Ich kann mich eigentlich gar nicht mehr an die Zeit erinnern, in der ich noch keine Kamera in der Hand hatte. Bei einem Schulausflug in den 80er Jahren hatte ich eine Rollei von meinem Vater dabei und irgendwann zur Schulzeit war ich dann in der Foto-AG mit analoger Schwarzweiss Bildentwicklung beschäftigt. Die Bilder habe ich erst noch vor Kurzem aus dem „Archiv“ geholt. Nach mehr als 20 Jahren im Vertrieb und Marketing bei einem namhaften IT Hersteller, wurde es Zeit, etwas anderes zu machen. 2006 meldete ich als Nebentätigkeit ein Gewerbe an, da mich in dieser Zeit die ersten gewerblichen Kunden buchten. 2009 gab es dann den endgültigen Schritt zur Selbstständigkeit. Einen Schritt, den ich trotz einiger finanzieller Einbussen bisher nicht bereut habe.

2. Welche Tipps würden Sie jemandem geben der seinen Job an den Nagel hängen möchte und auf fotografischem Weg in der Selbständigkeit durchstarten will?

Jürgen Nobel: Jedem Quereinsteiger rate ich, sich noch während seiner aktuellen Berufstätigkeit  mehr und mehr mit dem Markt , der Branche, seinen potentiellen Zielkunden und den Weg dorthin zu beschäftigen. Darüber hinaus sollte man schon mal anfangen, gute Bildserien aufzubauen. Der erste Weg zum Kunden geht heute über die Webseite des Fotografen. Hier gilt Qualität, Beständigkeit und eine eigene Bildsprache. Das zeigt man sehr gut mit Bildserien, statt mit zu viel Einzelbildern.

Des weiteren sollte man sich über sein Selbstmarketing Gedanken machen. Ein hohes Maß an Vertriebs- und Marketing-Knowhow ist extrem wichtig, bevor man „einen Namen“ hat. Und selbst dann wird man mehr brauchen, als nur gute Bilder zu machen. Dann sollte man noch folgende Bücher lesen: „Wie man ein großartiger Fotograf wird“ und noch wichtiger „Wie man ein erfolgreicher Fotograf wird“. (http://www.fotofeinkost-verlag.de)

3. Wenn man sich nun dazu entschlossen hat sich beruflich zu verändern braucht man Jobs. Werden Sie durch eine Repräsentanz vertreten oder betreiben Sie permanente Selbstakquise um Ihre Dienstleistung an den Mann zu bringen? Wie stehen Sie zum Thema Repräsentanz?

Jürgen Nobel: Das hängt sehr von angestrebten Zielmarkt ab. Als Event-, Portrait- oder Hochzeitsfotograf ist eine Repräsentanz nicht notwendig. Im Bereich der Werbefotografie muss man wissen, dass es Kunden gibt, die fast nur über einen Agenten einen Fotografen suchen oder sich ausschließlich auf die Auswahl einer beauftragten Werbeagentur verlassen oder einen Fotografen direkt suchen und buchen. Ich selber werde seit Januar 2011 durch Fotosyndikat in Düsseldorf vertreten. Doch ich verlasse mich auf keinen Fall nur auf die Akquise dieses Agenten. Es ist eben nur ein Vertriebsweg. Eine permanente Akquise ist hinsichtlich meiner Selbstständigkeit sehr wichtig.

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4. Welche Rolle spielen für Sie Social Media und Internet in der Selbstvermarktung und hilft es Ihnen Kunden zu gewinnen?

Jürgen Nobel: Eine gute und suchmaschinen-freundliche Internetpräsenz ist sehr wichtig. Als Werbefotograf konnte ich jedoch feststellen, dass die Menschen, die meine Webseite über google finden, inzwischen „Jürgen Nobel“ öfters als Suchbegriff eingeben als „Werbefotograf“. Das liegt an meinem Selbstmarketing auf den Social Networks und das der Begriff Werbefotograf sowieso relativ wenig bei den Suchmaschinen eingegeben wird. Relativ zu „Hochzeitsfotografen“ oder allgemein „Fotografen“.

Für mich ist heute meine Webseite und einige soziale Netzwerke sehr wichtig, um neben der Auffindbarkeit auch potentiellen Kunden die meinen Namen bereits kennen, einen guten Überblick über mein Portfolio und Informationen über meine Leistungen zu geben.

Über xing finde ich z.B. viele Businesskunden und über facebook sind einige meiner größten Kunden auf mich aufmerksam geworden. „Eine 24 jährige Assistenz eines Marketingleiters googled nicht (nur), sondern sucht bei facebook nach Fotografen“, so die Aussage meiner Ansprechpartnerin bei Lavazza.

5. Wenn Sie sich einen Kunden wünschen könnten, wer wäre das und was würde Sie daran reizen?

Jürgen Nobel: Eigentlich steht hier kein Unternehmen oder Marke auf meinem Wunschzettel. Ich würde gerne mal aus dem Flugzeug aussteigen, durch den Gate gehen, mit dem Taxi zum Bahnhof und mit der Bahn bis zum Kunden fahren und dabei mindestens 5 mal dabei ein Bild, welches ich fotografiert habe auf einer 18/1 Anzeigen sehen.

Aber manchmal denke ich auch bescheidener und wünsche mir mal ein einwöchiges Shooting in Kapstadt in der Winterzeit. (lach)

6. Wie gehen Sie vom Workflow an neue Projekte heran und wie sieht ihr Workflow aus?

Jürgen Nobel: Da unterscheide ich sehr, wer der Projektinhaber ist. Kunden, freie Arbeit oder Bildagentur. Für mich steht aber als erstes das gewollte Motiv im Vordergrund, die Bildaussage und damit die Festlegung der Bildsprache. Ist die Location vorgegeben oder suchen wir eine Location ist dann der nächste Schritt. Bevor ich ein Bild mache, spreche ich mit meinem Team die Anforderungen, die Herausforderungen und unser Ziel ab. Jeder sollte wissen, um was es geht. Als weiteren Schritt ist das Licht entscheidend. Wenn ich mir über Technik Gedanken mache, dann über 80% Licht.

Im Kopf habe ich meist schon einen späteren Look des finalen Bildes. Bestimmte Dinge lassen sich in der Post nicht mehr richten – wirkliches gutes Licht beispielsweise. Man muss sich halt vor dem Shooting Gedanken machen.

7. Wie hat die digitale Fotografie in Ihren Augen das Handwerk verändert, jetzt wo jeder eine DSLR hat und im Glauben ist alles selbst realisieren zu können?

Jürgen Nobel: In meinem Augen ist das handwerkliche Können auch in der digitalen Gegenwart sehr wichtig. Ich bin aber froh, dass ich keine handwerkliche Ausbildung zum Fotografen gemacht habe. Das Wissen, was aktuell dort gelehrt wird, ist zu sehr auf die Technik der Kamera bezogen. Kundenakquise, Existenzgründung, Bildaufbau, Art Direktion, Lichtführung etc. lernt man dort nicht. Bestensfalls lernt man noch den Umgang mit Kunden vor der Verkaufstheke und die Bedienung des Belichters. Aber das sind nicht die Herausforderungen, denen man später als Selbstständiger jeden Tag begegnet. Mit dieser Meinung hatte ich schon einigen Disput mit  „Innungsmeister“ aber auch noch mehr Unterstützung in meiner Meinung von Fotografen, die wirklich erfolgreich sind.

Aber zurück zu Ihrer Frage. Die digitale Technik erlaubt es uns heute sehr schnell die Bildresultate auszuwerten und direkt Verbesserungen durchzuführen. Der Weg durch die Dunkelkammer bis zur nächsten vergleichbaren Aufnahmesituation wird hierdurch sehr verkürzt.

Digital bedeutet für mich nicht, „ich mache mal 100 Bilder – 1 Bild wird schon was werden“. Ich spreche hier nicht von Try & Error, sondern von einer direkten und schnellen Beurteilung meiner Ergebnisse und dies zum Wohl von besseren anspruchsvollen Bildern. Einige „alt eingesessene“ Fotografenmeister stört dies, aber es gibt auch genügend, die einfach mehr Leistung und mehr Qualität anbieten und damit den Unterschied zu Hobbyfotografen deutlich machen.

Je nachdem in welchem Gebiet man sich selbstständig machen will gilt jedoch auch die These: Ein Hobbyfotograf beschäftigt sich mit der Kamera – ein Profi mit dem Licht.

 

 

 

8. Sie haben sich auf die Bereiche Business/People/Fashion/Stills spezialisiert. Haben Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere diese Bereiche ausgesucht oder sind Sie anhand der Auftragslage in die jeweiligen „Genres“ hineingewachsen?

Jürgen Nobel: Hineingewachsen. Neben meiner Leidenschaft für bestimmte Motivwelten habe ich mir aber auch über die Nachfrage bzgl. Standort, Erfahrung, Technik und Knowhow und Chancen gründlich Gedanken gemacht.

Ich kenne einige Quereinsteiger die wirklich grandiose Fashion Bilder machen, aber jeden Monat um Ihre Existenz bangen. Im Ruhrbiet sich nur auf Fashion zu konzentrieren wäre tödlich. Dann gibt es Kollegen die machen Alles. Wundern sich aber, dass sie von mancher Agentur für gewerbliche Aufträge nicht wahrgenommen werden.

Ich habe bereits am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit als Fotograf auf die o.g. Bereiche fokusiert und plötzlich kommen auf Aufträge aus Bayern, Hessen, Berlin und Frankfurt. Viel wichtiger ist es jedoch, dass ich diese Themen mit Liedenschaft und gerne fotografiere. Für ich wäre es einfach nichts, jeden Tag Freisteller zu fotografieren. Aber sicherlich wird es Kollegen geben, die nur das wollen.

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9. Gibt es ein zweites Standbein um Auftragslücken zu füllen?

Jürgen Nobel: Ja, schon im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit hatte ich festgestellt, dass es für mich (noch) ein Sommer- und ein Winterloch gibt.

Meine erste Erfahrung im neuen Job war, dass meine Assistenten/innen, die gerade aus der Ausbildung kamen, gut fotografieren konnten, aber keine Erfahrung im Bereich Akquise, Marketing, Vertrieb, Honorare und Mappenaufbau haben. Dies gilt auch für viele Quereinsteiger, die nicht aus einer Vertrieb- oder Marketingtätigkeit den Weg in die Selbstständigkeit zum Fotografen wagen. Aufgrund dieser Erkenntnis biete ich seit Ende 2011 Fotografen-Coachings für Berufs- und Quereinsteiger an.

Seit diesem Jahr kommt noch der Fotografen-Workshops genau für diese Zielgruppe (und selbstverständlich auch für ambitionierte Hobbyfotografen) dazu. (www.fotografen-coaching.de und www.fotografen-workshops.de)

Einen weiteren Schritt bin ich mit meiner aktuellen Assistentin Lena Hedermann, selbst selbständige Fotografin, gegangen und wir bieten mit „Hedermann und Nobel Fotografie“, hochwertige Leistungen für kleinere Budgets und anspruchsvolle Privatkunden an. (www.hedermann-nobel-fotografie.de)

10. Worin sehen Sie die Herausforderungen in der näheren Zukunft und welche fotografischen und unternehmerischen Träume/Ziele haben sich gesteckt?

Jürgen Nobel: Seit Kurzem bin ich bei der Bildagentur Westend61 unter Vertrag. Westend61 hat seinen Sitz in München ist nach eigenen Angaben “größter Produzent von lizenzfreiem Bildmaterial in Deutschland und einer der größten unabhängigen Royalty Free Brands Europas”. Die Agentur bietet insbesondere Bilder aus den Bereichen People und Lifestyle. Westend61 ist keine Mircostock Agentur sondern vermarktet hochwertige Bilder in traditioneller Weise. (Makrostock)

Die ersten beiden Shootings mit dem Arbeitstitel „Everybody Life“ sind in Planung. Lassen Sie sich überraschen.

 

Wer mehr über den Fotografen Jürgen Nobel erfahren möchte, kann unter folgendem Link: www.juergennobel.de einen Einblick in sein kreatives Schaffen erhalten und auf seinem Blog die aktuellen Projekte, Tipps und Gedanken verfolgen. Blog: www.blog.juergennobel.de Ich freue mich wie immer über Feedback zum Thema. Gerne könnt ihr mir weitere tolle Fotografen vorschlagen, die um ein Interview bitten könnte.

 


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